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THEMEN DIE BEWEGEN: Österreichische Volkskultur – wie war das noch?!? Drucken

sarah_rm1Ich darf mich vorstellen: Sarah, 23 Jahre alt, Vorstandsmitglied des oberösterreichischen Kulturvereines RM1.

Nun: was darf man sich eigentlich von einem aktiven Kulturverein-Mitglied wissenstechnisch bezüglich österreichischer Kultur und traditionellem Brauchtum erwarten?

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Ich bin ziemlich ahnungslos. Nicht komplett ahnungslos, aber relativ. Die Frage, die ein kleiner aus Deutschland stammender Junge seiner Mutter stellte, als ich letzte Woche in einer Buschenschank in Kärnten saß, könnte sogar ich beantworten, und zwar: „Mama, was ist denn eine „Brettljausn“?“ - Die Antwort der Mutter: „Das ist eine Jause auf einem Holzbrett.“ (Etwas lieblos erklärt für so etwas Schmackhaftes, aber im Ansatz richtig)

Wenn es jedoch um den Unterschied zwischen verschiedenen Dirndl-Arten oder die Texte von Gstanzln geht, ist es bei mir schon vorbei.

Bitte nicht falsch verstehen, im Gegensatz zu vielen anderen jungen Österreicherinnen und Österreichern bin ich uriger Volksmusik und einer feschen Trachtenkleidung nicht abgeneigt, bloß wurde ich nie über solche Dinge aufgeklärt und ein Dirndl habe ich auch nicht im Schrank hängen. (Ok, in meiner Pubertät hätte ich mich auch nie in ein Dirndl stecken lassen, muss ich zugeben)

Gar nicht leiden kann ich diese mit Techno-Beat unterlegte Schlagermusik mit schmalzigen Texten, aber das hat nichts mehr mit österreichischem Liedgut zu tun, es ist mehr eine Vergewaltigung meiner Ohren.

Richtig auf den Geschmack gekommen, mich mehr mit österreichischer Kultur zu beschäftigen, bin ich seit meinem Besuch des Hubert von Goisern – Konzertes im Wasserschloss Aurolzmünster in Ried. Hubert von Goisern ist – falls jemanden nicht bekannt – so etwas wie die Ikone guter österreichischer Musik; man könnte es als urig-österreichische musikalische Basis (Ziehharmonika, Geige) mit Einflüssen aus allen Ecken der Welt und verschiedensten Stilrichtungen bezeichnen (denn wer es nicht weiß, Hubert von Goisern ist mit einem Schiff herum gereist und hat an allen möglichen und unmöglichen Orten der Welt Konzerte gegeben)

Da die Konzertgäste in Aurolzmünster etwas „steif“ waren und Schwierigkeiten hatten, locker zu werden und einfach mal zu tanzen, habe ich mir unseren Obmann Florian Eschlböck geschnappt und zerrte ihn zum Abschlusskonzert der „S‘nix-Tour“ von Hubert von Goisern, welches in Bad Ischl im Lehartheater statt fand (August 09). Begründet habe ich das Ganze folgendermaßen: „Als Obmann eines oberösterreichischen Kulturvereines muss man einmal einen der berühmtesten oberösterreichischen Musiker inklusive großartiger Band live erlebt haben!“ Außerdem war ich mir sicher, dass das Publikum in Ischl um einiges „zünftiger“ sein würde als in Ried.

Und meine Erwartungen wurden erfüllt: Junge Leute mit Tattoos und Piercings, in Dirndln und Lederhosen bishin zu Personen im Alter von 60-70 Jahren; und alle tanzten tatsächlich zur selben Musik. Hier hat sich offensichtlich etwas gefunden, was verbindet!

Seither hat sich meine Meinung noch verstärkt, dass Bands und Musiker, die zum Beispiel in Mundart singen, viel mehr unterstützt und vor allem im Radio gespielt werden sollten, denn leider ist dies zurzeit nicht der Fall. Und es schadet sicher auch nicht, wenn man dem Nachwuchs neben dem üblichen Bildungsprogramm etwas über Volkskultur sowie Tradition und Brauchtum beibringt.

Denn wie heißt es so schön: Ohne Wurzeln keine Flügel!

von Sarah Felberbauer